Norbert
18.08.2005, 11:38
Hallo,
einige von euch werden ihn wohl kennen, den mehrmaligen Sieger DukeBattle und der Fahrer der uperDuke in Oschersleben.
Ich will euch seine Geschichte zu dem Einsatz nicht vorenthalten. Als lest und lacht :D
Vorwort:
Zum besseren Verständnis des folgenden Berichts muss ich vorausschicken, dass ich Chaostheoretiker bin, d.h. ich glaube an den sog. butterfly-effect - daran, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Ostaustralien das Leben eines amerikanischen Börsenmaklers direkt und unmittelbar beeinflussen kann. Ferner glaube ich an die Unsterblichkeit der Seele und daran, dass die Seelen derer, die uns in diesem Leben körperlich verlassen mussten, weiterhin an unserem Leben teilhaben und auf uns aufpassen.
Ich habe schon viele Freunde durch Motorradunfälle verloren, darunter meinen besten Kumpel, und ich wollte den Helm schon oft an den Nagel hängen, aber heute weiß ich, dass sie das hassen würden. Ich werde für sie aufzünden, so lange es mein Körper zulässt, und bei jedem einzelnen Wheelie, jedem Drift und jedem kühlen Korea, höre ich sie leise lachen, somewhere south of heaven...
Menschen, denen diese Worte spanisch vorkommen mögen, möchte ich den Film ?Das Glücksprinzip? und das Buch ?Der Geblendete? von Dean Koontz ans Herz legen, aus dem auch das folgende Zitat stammt:
"Der kleinste Akt der Menschenliebe schwingt über große Entfernungen und Zeitspannen hinweg und wirkt sich auf das Leben von Menschen aus, die dem großherzigen Auslöser dieses positiven Echos nicht einmal bekannt sind, denn Güte setzt sich fort und wächst, indem sie dies tut, bis Jahre später und an einem ganz anderen Ort aus einer einfachen Geste der Rücksichtnahme eine selbstlose und heroische Tat wird. Genauso verhält es sich mit jeder kleinen Niedertracht, jedem Ausdruck des Hasses, jeder aus Bosheit begangenen Tat."
Part I: Die Vorbereitung
Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo unser Einsatzgerät, die Adventure V2, erst kurz vor der Speedweek fertig wurde, hatte unsere neue KTM Superduke dieses Jahr an Ostern schon ihren ersten Einsatz bei den 1000 km von Hockenheim.
Im Serienzustand traten Teamchef Konrad ?Wuschelkopf? Schittko und Axel Mironiuk gegen die anderen 2-Zylinder an. Ich weilte zu jener Zeit am Pann, um mir mit Hajo, Frank, Snoopy und anderen lustigen Gesellen die Kante zu geben. Die Duke hielt sich wacker, aber Axel schmetterte sich leider in der Haarnadel nach der Parabolika frühzeitig zu Poden und brach sich die Schulter, was natürlich seiner Vorbereitung auf die Speedweek auch nicht gerade förderlich war.
Konrad fuhr die Duke dann noch beim 1. und 2. Bördesprint, wo sie ohne Probleme das Ziel erreichte, bevor ich sie im Juni beim BiPro-Training in Oschersleben dann das erste Mal testen konnte (Bericht gibt es hier: http://www.racing4fun.de/forum/viewtopic.php?t=2379&start=0 )
Naja, ich war völlig begeistert von diesem Mopped, das sich so herrlich easy durch die sachsen-anhalterischen Kurven werfen ließ.
Nach dem Test freute ich mich auf die Speedweek wie Micha Dangrieß alias Sachsenpaule alias Thomas alias Egon auf den Tag, an dem ihm erstmals eine Frau sagen würde, er wäre hübsch.
Als Kampftraining fuhr ich noch ein paar Duke-Battle-Rennen am Hockenheim und in Oschersleben mit, sowie den 6h-Bördesprint an Pfingsten mit Hajo.
Da ich im Vorfeld wegen do-it-myself-Hausbau und Windelwechslungen absolut keine Zeit für körperliche Ertüchtigung hatte, beschränkte ich mich auf Hand- und Unterarmtraining mit einem lustigen Gummiring, den gutbestückte Zünder wie z.B. Nico evtl. auch als Penisring benutzen könnten, um ihre Endurance-Probleme beim Verkehr zu beseitigen.
Als ich meinem exilamerikanischen Kumpel Tom Eatman (der in Amerikanien schon mit Kevin Schwantz himself Langstrecken-Rennen gefahren ist!) meine Sorgen bezüglich meiner mangelhaften Kondition kundtat, sagte er nur: ?No problem dude, real racers don`t feel the pain during the race. Only one thing: Always keep the rubber side down!?
Okee, ich war beruhigt. Allerdings hatte ich immer noch die armageddonischen Aussagen von Karl-Heinz Hühnermann im Hinterkopf, der mir am Pann mal gesagt hatte, dass es auf der Welt nichts Schlimmeres gebe als ein 24h-Rennen. Er behauptete, er hätte nach seinem ersten 24h-Rennen 2 Monate nicht mehr richtig gehen können, die Fußsohlen wären aufgeplatzt, die Hände von riesigen, pestbeuligen Blasen durchsetzt, und der ganze Körper einfach nur ein schmerzendes, schreiendes Stück Napalmfleisch.
Ich würde mich einfach überrraschen lassen. Jedenfalls wusste ich schon im Vorfeld, dass es mit der Qualifikation dieses Jahr keine Probleme geben würde, war ich doch beim BiPro-Test schon 1:38 gefahren - die Qualizeit wurde errechnet aus dem Mittel der 3 Schnellsten pro Gruppe plus 15%, was bei 1:30 in etwa 1:43 entsprechen würde. No problem dude.... wir würden dabei sein!
Am Dienstag, dem 09.08. verließ ich mein Büro, wie es sich für einen Beamten des gehobenen Dienstes gehört, um 15.30 Uhr, packte zu Hause schnell noch meine Tasche in den T4, koppelte den Hänger dran und fuhr zu meinem allgäuer Carnal Ralph, der sich bereit erklärt hatte, mich zur Speedweek zu begleiten. Dies ist ihm aber auch nicht sehr schwer gefallen, hatte ich ihm doch schon vor langer Zeit angeboten, dass er mit meiner schwarzen KTM im Falle einer Mitkommung seinerseits die Duke-Battle-Rennen auf der Rennstrecke mitfahren könnte. Ich musste leider auf einen Start in der Battle verzichten, weil die Trainings und Rennen immer gleich nach den Langstrecken-Trainings stattfanden und mir das dann doch zu stressig war. Weil Freens jedoch immer sagt dass oft und lange Aufzünden das Wichtigste sei, wollte ich unbedingt noch bei der Supermono-EM mitfahren.
Jau, nach 8 Stunden Fahrt kamen wir dann nachts um 2.34 Uhr vor dem Fahrerlager an, wo uns natürlich kein Einlass mehr gewährt wurde. Also klappten wir das Hochdach hoch und legten uns noch für 4 Stunden aufs Ohr.
Als wir aufwachten und ins Maisfeld urinierten, froren uns fast die Penen ab, so bitterkalt war es. Wir fuhren dann aber frohen Mutes ins Lager der Langzünder und begrüßten die anderen Teamfressen. Die Männer hatten sich kaum verändert - Stefan, Markus, Horst, Randolph (was für ein alberner Name), Hubi, Axel und Peter sahen immer noch gleich verheerend aus wie vor einem Jahr. Ihre Frauen aber waren immer noch sehr hübsch. Wieder wunderte ich mich, wie so überaus hässliche Männer an solche Frauen geraten - es war eine unlösbare Farce.
Alle waren schon wach, nur Konrad konnte ich nicht entdecken. Ich sah, wie die Tür seines Wohnwagens sich öffnete und er ?Hallo Bundy? sagte, konnte ihn aber nicht sehen. Plötzlich sah ich seine Wuschelfrisur hinter dem Bobbycar seines Sohnes Marc hervorlugen. Seine viel hübschere Frau Daggi rollte das Bobbycar zur Seite und dann stand er da, in seiner vollen Größe von 34 cm, und lachte mich schelmisch an. Ich bückte mich, nahm ihn auf den Arm, und knutschte ihn ab.
Ich fühlte mich bei diesen Menschlingen schon wieder wie zu Hause und freute mich naturbelassen auf die kommenden Tage.
Nach und nach begaben wir uns zur Kocinski-Box (#19) und standen quatschend um die schwarz-orangene Superduke herum, die wir 24h lang, in guten wie in schlechten Stunden, lieben und ehren sollten.
Dort lernte ich dann auch noch den 2. Teamchef, Hans-Hermann Ruser, ebenfalls KTM-Händler aus einem Weiler nördlich von Hamburg, und seinen Mechanix Henrik, kennen. Auch diese beiden schienen wie alle anderen immens gaskrank zu sein. Sehr vernünftig.
Um 10 Uhr sollte das freie Training beginnen, aber da die Strecke von einem Regenschauer noch nass war und eh noch versch. Kleinarbeiten an der Duke zu erledigen waren, ließen wir uns Zeit. Um halb eins war es immer noch teilweise nass, aber ich wollte noch den geänderten Schalthebel und den etwas schmaleren Lenker ausprobieren, also zog ich die Lederkombination über und fuhr raus. Am Ende der Boxengasse tratschte ich noch ein wenig mit Peter und Günni und enterte die Strecke dann traditionsgemäß mit zum Gruße erhobenem Vorderrad. Die Duke fuhr sich wie immer traumhaft. Die Bridgestone-Slicks (YDC vorne, YCX hinten) gripten ohne Ende und erfreuten mich mit genialstem Einlenkverhalten. Manche Stellen waren noch feucht, und ich konnte die Karnickellinie nicht fahren, weil die Curbs rutschig waren, aber als ich in die Boxengasse fuhr, sah ich auf dem Lappenzeiter eine 1:40,6 stehen.
Als Konrad diese Zeit sah, erblasste er kurz und fragte mich, ob ich nicht bemerkt hätte, dass es noch nass sei. Ich konnte ihn beruhigen, indem ich ihm versicherte, dass ich an dem Tag max. 77% geben und nicht stürzen würde.
Axel und Konrad drehten dann bei abtrocknender Strecke auch noch ihre Runden und fuhren Zeiten im 41er-Bereich. Yep, damit waren wir inoffiziell schon mal alle qualifiziert! Die Stimmung im Team wurde immer besser und gegen Abend fuhr ich dann mit völlig abgelutschten Reifen noch eine tiefe 38er-Runde. Im Zeittraining am Donnerstag morgen könnte ich eine 1:35 fahren, dessen war ich mir sicher, aber der Teamchef und die Mechanix erinnerten mich wiederholt daran, dass es in der Langstrecke nicht auf einen guten Startplatz ankommt, sondern darauf, sitzen zu bleiben.
Zum großen Verdruss der Teamchefs und der Mechanix schaffte ich es auch nicht, den Kupplungsdeckel nicht mehr aufsetzen zu lassen. Ich hatte zwar in Rechtskurven Schräglagenverbot bekommen, konnte dieses aber aufgrund der physikalischen Grundgesetze nicht immer einhalten. Ich musste also versuchen, durch Gewichtsverlagerung und/oder weniger Kurvenspeed die Kratzneigung des Kupplungsdeckels zu lindern.
Im Geiste reduzierte ich meine angepeilte Rundenzeit auf 1:36 - diese Rechtskurvenrumschwuchtelei würde mich mind. 1 sek. kosten.
Axels schmeichelhafte Freundin Sabrina massierte uns Fahrern nach dem letzten Turn dann noch die adonalen bzw. abominablen Körper - ein Leben wie Uffzynd in Frankreich!!!
Nach der Massage kam unser Chefkoch Christian mit seinem Catering-Truck an und kochte uns ein exorbitant leckeres Abendessen. Kartoffel kam vorbei und erfreute uns mit seiner Anwesenheit. Er ist der weltbeste Tanker des Bolliger-Teams und außerdem der weltbeste Geschichtenerzähler.
Nach dem Essen saßen wir noch lange im Zelt zusammen, lauschten den unglaublichen Geschichten von Kartoffel, Konrad und den anderen Urgesteinen der Szene, und ich war einfach nur glücklich, zu diesem Team gehören zu dürfen, einem Haufen netter Menschen, die verstanden hatten, worum es im Leben geht - nicht um Geld oder Macht, sondern um Menschlichkeit, Freundschaft und vor allem um eins: AUFZÜNDEN!!!!!!!
Part II: Donnerstag - 1. Zeittraining:
Der Wecker klingelte mich um 7 aus meinen süßen Träumen, in denen ich der König von Korea war und von 34 nackten Konkubinen mit Flutschfinger-Eis, Kinderschokolade und Korea verwöhnt wurde.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Casa Christiano begab ich mich erstmal ins Duke Battle-Fahrerlager, um meine Brüder zu begrüßen.
Mittlerweile war auch mein Freund Micha Bongen mit seiner augenschmeichelnden Partnerin Ulli eingetroffen. Er hatte meiner alten KTM einen neuen Motor transplantiert und ich hatte ihm als kleines Dankeschön einen Gaststart in der Battle kredenzt.
Doch zuvor würde Ralph die kleine Schwarze bei den Battle-Läufen auf der Rennstrecke fahren. Wir erledigten noch flugs die Anmeldeformalitäten für Ralph, bevor ich dann um 10 zum ersten freien Endurance-Training raus musste.
Der Schalthebel war für Axel und mich immer noch zu tief, und die Gabel zickte nach der Revision bei Öhlins ein bisschen rum. Beim Anbremsen und in der Triple wackelte die Duke vorne wie ein Kuhschwanz.
Nachdem wir im 2. freien Training auch noch mit der Gabel haderten, wurde flugs der Cheftechniker von Öhlins gebeten, sich die Gabel doch mal anzuschauen.
Der Mann stellte sich als sehr sympathisch und kompetent heraus, und binnen 2 Minuten sagte er uns, was wir verändern mussten.
Wir fuhren alle nochmal kurz raus und stellten fest, dass der Mann wahr gesprochen hatte. Die Duke lag nun deutlich stabiler und es machte wieder Spaß, sie zu reiten.
Wir waren bereit für das 1. Qualifying, das um 15.30 Uhr beginnen sollte - zuerst alle Fahrer 1, dann Fahrer 2, und dann (wie könnte es auch anders sein) Fahrer 3.
Mr. Schittko himself fuhr eine 1:40.456 und landete damit auf Platz 40 seiner Gruppe - Rider 1 qualified!
Als Rider 2 war ich dann an der Reihe. Jetzt galt es also erstmals, eine einigermaßen heiße Zeit hinzubrennen. Da ich in den Rechtskurven wegen des immer noch andauernden Schräglagenverbots Zeit liegen lassen würde, musste ich mich aufs Bremsen konzentrieren, und Linien fahren, die nur kurze Schrägphasen verlangten. Das klappte auch ganz gut, und außer auf den Geraden wurde ich nie überholt.
Es war ein Traum - Keiichi Kitagawa flog vor der Triple an mir vorbei, ich flog mit Freudentränen in den Augen hinterher. Womit hatte ich diese Ehre verdient? Ich bewunderte seinen phantastischen Fahrstil, den Ellenbogen knapp über dem Asphalt, nahm er die Triple ganz rechts, während ich die enge Kaninchenlinie fuhr und wie immer über meine geliebten Ra-sengittersteine hoppelte. In der folgenden Rechts war ich immer noch direkt hinter ihm. Er fuhr wieder eine endlos weite Linie, um nach 2/3 der Kurve mit fast den Asphalt streichelndem Ellenbogen wieder voll zu beschleunigen. Eine Augenweide! Er nahm die Rechts der Schikane wie fast alle anderen ?normal?, um erst in der Links über die Curbs zu fahren. Ich nahm wie immer beide Curbs voll mit, was meiner Meinung nach an dieser Stelle die bessere Wahl ist, und tatsächlich war ich eingangs Gegengerade immer noch hinter diesem japanischen Zündgott. Mein Grinsen war mindestens so breit wie Hajo Samstag Nacht sein würde!
Beim Beschleunigen auf die Gegengerade wähnte ich mich kurz in einem Glas voller Kaulquappen. Das Raum-Zeit-Kondom musste einen Riss bekommen haben. Ich sah die weiß/blaue Suzuki gerade noch klar und deutlich vor mir - zwei Augenblicke später bremste der Japaner vollkommen quer in die Shell-Esses rein, während ich gerade über die Curbs am Ende der schnellen Rechts räuberte. Eine Farce.
6 Minuten vor Ende des Trainings stand eine 1:38.05 auf meinem Lappenzeiter. Ich fuhr raus an die Box, blieb auf der treuen Duke sitzen und bat Hubi, er möchte mir doch meine Wasserflasche bringen, die ich schlauerweise mit Magnesium versetzt hatte.
Ich trank ein wenig und machte mich dann noch einmal auf, wenigstens noch die 38 zu knacken. Peter und Günni an Pit Lane`s End lachten, als ich vorbeikam. Sie hatten wohl meinen Auftrag erkannt.
Mir blieben noch 2 komplette Runden, und obwohl ich mich immer noch streng an das Schräglagenverbot hielt, gelang mir in der letzten Runde noch eine 1:37.339. Damit stand ich auf Platz 26 meiner Gruppe. Ich war natürlich zufrieden, aber ich wusste leider, dass ohne den aufsetzenden Kupplungsdeckel und mit 95 statt 80% Einsatz locker eine 35er-Zeit drin gewesen wäre, was uns in den Top 10-Bereich katapultiert hätte.
Naja, mein Gehirn wurde durch die unzähligen Schläge auf Schulter und Helm, nachdem ich wieder in der Box war, ein wenig durchgerüttelt. Ich vergaß was hätte sein können und fand mich mit den Begebenheiten ab.
Axel fuhr in seiner Gruppe mit einer 1:40.049 auf den 37. Platz.
Somit waren alle sicher qualifiziert, und wir hatten die erste große Hürde genommen! Nachdem wir letztes Jahr mit der Adventure wegen unzähliger Angriffe des Antizünd gar nicht dazu gekommen waren, das Zeittraining zu fahren, war das schon ein ziemlicher Erfolg.
Wäre dies nicht erst der Anfang des Abenteuers gewesen, dann hätten wir an jenem Abend sicher gleich ein ziemliches Fass aufgemacht, hehe.
Ralph fuhr im Duke Battle-Qualifying mit meiner Rennhure auf Platz 13. Ich war mir aber sicher, dass er in den Rennen unter die ersten 10 fahren könnte.
Nach dem Training meldete ich mich noch zum Supermono-EM-Lauf an, den ich ebenfalls mit der Rennhure bestreiten wollte. Micha B. hatte extra einen 2. Radsatz mitgebracht, auf den ich die sagenumwobenen Dunloppen (beide in 758er Mischung) aus der 250er-WM aufzog, die ich von einem geheimen Gönner erhalten hatte.
Damit könnte ich mit Sicherheit 1:40er Zeiten fahren, und wenn es im Rennen gut lief, müsste es für einen Platz unter den ersten 15 reichen.
Das freie Training der Supermonos ließ ich aber aus, weil ich zu faul war zum Reifen wechseln und weil ich in meinem Unter-Ich immer noch die anklagende Stimme von Kalle Hühnermann hörte: ?Bundyyyyyy, du wirst Höllenqualen leiden wenn du jetzt auch noch bei den Supermonos mitfääääääährst!!! Deine Arme werden sich in der Nacht in brennende Furunkel verwandeln und du wirst kläglich aufgeben müsseeeeeeeen!!! Alle werden dich auslachen und Kartoffel wird dich auf ewig als eine Langstreckenschwuchtel verspotteeeeeeen!!!?
Am Abend war noch Nachttraining angesagt, aber da es nieselte und ziemlich rutschig war, fuhr ich nur für ein paar Runden raus, damit wir die erforderlichen 5 Runden hatten.
Es war wirklich absoluter Hardcore, nachts auf einer Rennstrecke rumzubrennen, auch wenn dieses Jahr einige Streckenabschnitte ausgeleuchtet waren, so war z.B. der Anflug auf die Triple fast völlig blind, und auch sonst musste viel nach Gefühl gefahren werden, aber ich freute mich schon auf die Nachtzünderei wie eine 34-jährige, erzkath ähm ich freute mich schon auf die Nachtzünderei wie Ulrike Jokiel auf ihre nächtliche Joghurette!
Eigentlich hätte ich danach wohl zu Bett gehen sollen, aber Randolph und Hubi wollten noch ein bisschen koreanisieren, und so ließ ich mich auch noch zu 2 Tassen hinreissen.
Später kam noch Kartoffel dazu, und erzählte mir mit ernster Miene folgende Geschichte:
?Alter, du glaubst immer noch, Schittko`s Konrad wär früher bei der Telekom gewesen. Aber der Sack war da nich, der war mit mir und Randolph im Knast! Alter, schwerer bewaffneter Raubüberfall! Alter, wir haben`n Geldtransporter überfalln, da haben die uns gekascht weil der Konni zu blöd war, den Fluchtwagen zu fahren. 8 Jahre hab ich gesessen, Konrad 7, weil er wegen guter Führung raus gekommen ist. Alter, bei mir war nix mit guter Führung, ich hab da drinnen alles kaputt geschlagen! Randolph auch! Als ich aus dem Knast raus war hab ich auf dem Schlachthof malocht. Den Konrad hab ich auch da reinbekommen, der hat dann die Schweinehälften sortiert, weil er zu klein war zum Zerhacken von den Viechern. Neulich hab ich den Toni getroffen, kennste den noch Randolph? Das war der, der seine Schwiegermutter abgestochen hat - saß damals mit uns ein (zu mir). Der Sack hat geheiratet, Alter, eine hässliche Fratze!?
?Jau?, erwiderte Randolph und nippte an seinem Korea, ? ich war bei der Hochzeit! Die Fratze heißt Olivia, wie die Olivia Öl von Popeye, und genauso sieht sie auch aus.?
Ich war drauf und dran die Geschichte zu glauben, aber irgendwann hat Randolph dann einen Mund voll Korea ausgespuckt, weil er sich nicht mehr halten konnte vor Lachen, der Sack.
Irgendwann legte ich mich dann aber auch in die Heia, und nachdem ich mir das dümmliche Grinsen aus meinem hübschen Gesicht gedrückt hatte, schlief ich selig ein und träumte von tanzenden Kaninchen und Olivia Öl.
Fortsetzung folgt!
Gruss
Norbert
Die Quelle (http://www.racing4fun.de/forum/viewtopic.php?t=2818&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=)
einige von euch werden ihn wohl kennen, den mehrmaligen Sieger DukeBattle und der Fahrer der uperDuke in Oschersleben.
Ich will euch seine Geschichte zu dem Einsatz nicht vorenthalten. Als lest und lacht :D
Vorwort:
Zum besseren Verständnis des folgenden Berichts muss ich vorausschicken, dass ich Chaostheoretiker bin, d.h. ich glaube an den sog. butterfly-effect - daran, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Ostaustralien das Leben eines amerikanischen Börsenmaklers direkt und unmittelbar beeinflussen kann. Ferner glaube ich an die Unsterblichkeit der Seele und daran, dass die Seelen derer, die uns in diesem Leben körperlich verlassen mussten, weiterhin an unserem Leben teilhaben und auf uns aufpassen.
Ich habe schon viele Freunde durch Motorradunfälle verloren, darunter meinen besten Kumpel, und ich wollte den Helm schon oft an den Nagel hängen, aber heute weiß ich, dass sie das hassen würden. Ich werde für sie aufzünden, so lange es mein Körper zulässt, und bei jedem einzelnen Wheelie, jedem Drift und jedem kühlen Korea, höre ich sie leise lachen, somewhere south of heaven...
Menschen, denen diese Worte spanisch vorkommen mögen, möchte ich den Film ?Das Glücksprinzip? und das Buch ?Der Geblendete? von Dean Koontz ans Herz legen, aus dem auch das folgende Zitat stammt:
"Der kleinste Akt der Menschenliebe schwingt über große Entfernungen und Zeitspannen hinweg und wirkt sich auf das Leben von Menschen aus, die dem großherzigen Auslöser dieses positiven Echos nicht einmal bekannt sind, denn Güte setzt sich fort und wächst, indem sie dies tut, bis Jahre später und an einem ganz anderen Ort aus einer einfachen Geste der Rücksichtnahme eine selbstlose und heroische Tat wird. Genauso verhält es sich mit jeder kleinen Niedertracht, jedem Ausdruck des Hasses, jeder aus Bosheit begangenen Tat."
Part I: Die Vorbereitung
Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo unser Einsatzgerät, die Adventure V2, erst kurz vor der Speedweek fertig wurde, hatte unsere neue KTM Superduke dieses Jahr an Ostern schon ihren ersten Einsatz bei den 1000 km von Hockenheim.
Im Serienzustand traten Teamchef Konrad ?Wuschelkopf? Schittko und Axel Mironiuk gegen die anderen 2-Zylinder an. Ich weilte zu jener Zeit am Pann, um mir mit Hajo, Frank, Snoopy und anderen lustigen Gesellen die Kante zu geben. Die Duke hielt sich wacker, aber Axel schmetterte sich leider in der Haarnadel nach der Parabolika frühzeitig zu Poden und brach sich die Schulter, was natürlich seiner Vorbereitung auf die Speedweek auch nicht gerade förderlich war.
Konrad fuhr die Duke dann noch beim 1. und 2. Bördesprint, wo sie ohne Probleme das Ziel erreichte, bevor ich sie im Juni beim BiPro-Training in Oschersleben dann das erste Mal testen konnte (Bericht gibt es hier: http://www.racing4fun.de/forum/viewtopic.php?t=2379&start=0 )
Naja, ich war völlig begeistert von diesem Mopped, das sich so herrlich easy durch die sachsen-anhalterischen Kurven werfen ließ.
Nach dem Test freute ich mich auf die Speedweek wie Micha Dangrieß alias Sachsenpaule alias Thomas alias Egon auf den Tag, an dem ihm erstmals eine Frau sagen würde, er wäre hübsch.
Als Kampftraining fuhr ich noch ein paar Duke-Battle-Rennen am Hockenheim und in Oschersleben mit, sowie den 6h-Bördesprint an Pfingsten mit Hajo.
Da ich im Vorfeld wegen do-it-myself-Hausbau und Windelwechslungen absolut keine Zeit für körperliche Ertüchtigung hatte, beschränkte ich mich auf Hand- und Unterarmtraining mit einem lustigen Gummiring, den gutbestückte Zünder wie z.B. Nico evtl. auch als Penisring benutzen könnten, um ihre Endurance-Probleme beim Verkehr zu beseitigen.
Als ich meinem exilamerikanischen Kumpel Tom Eatman (der in Amerikanien schon mit Kevin Schwantz himself Langstrecken-Rennen gefahren ist!) meine Sorgen bezüglich meiner mangelhaften Kondition kundtat, sagte er nur: ?No problem dude, real racers don`t feel the pain during the race. Only one thing: Always keep the rubber side down!?
Okee, ich war beruhigt. Allerdings hatte ich immer noch die armageddonischen Aussagen von Karl-Heinz Hühnermann im Hinterkopf, der mir am Pann mal gesagt hatte, dass es auf der Welt nichts Schlimmeres gebe als ein 24h-Rennen. Er behauptete, er hätte nach seinem ersten 24h-Rennen 2 Monate nicht mehr richtig gehen können, die Fußsohlen wären aufgeplatzt, die Hände von riesigen, pestbeuligen Blasen durchsetzt, und der ganze Körper einfach nur ein schmerzendes, schreiendes Stück Napalmfleisch.
Ich würde mich einfach überrraschen lassen. Jedenfalls wusste ich schon im Vorfeld, dass es mit der Qualifikation dieses Jahr keine Probleme geben würde, war ich doch beim BiPro-Test schon 1:38 gefahren - die Qualizeit wurde errechnet aus dem Mittel der 3 Schnellsten pro Gruppe plus 15%, was bei 1:30 in etwa 1:43 entsprechen würde. No problem dude.... wir würden dabei sein!
Am Dienstag, dem 09.08. verließ ich mein Büro, wie es sich für einen Beamten des gehobenen Dienstes gehört, um 15.30 Uhr, packte zu Hause schnell noch meine Tasche in den T4, koppelte den Hänger dran und fuhr zu meinem allgäuer Carnal Ralph, der sich bereit erklärt hatte, mich zur Speedweek zu begleiten. Dies ist ihm aber auch nicht sehr schwer gefallen, hatte ich ihm doch schon vor langer Zeit angeboten, dass er mit meiner schwarzen KTM im Falle einer Mitkommung seinerseits die Duke-Battle-Rennen auf der Rennstrecke mitfahren könnte. Ich musste leider auf einen Start in der Battle verzichten, weil die Trainings und Rennen immer gleich nach den Langstrecken-Trainings stattfanden und mir das dann doch zu stressig war. Weil Freens jedoch immer sagt dass oft und lange Aufzünden das Wichtigste sei, wollte ich unbedingt noch bei der Supermono-EM mitfahren.
Jau, nach 8 Stunden Fahrt kamen wir dann nachts um 2.34 Uhr vor dem Fahrerlager an, wo uns natürlich kein Einlass mehr gewährt wurde. Also klappten wir das Hochdach hoch und legten uns noch für 4 Stunden aufs Ohr.
Als wir aufwachten und ins Maisfeld urinierten, froren uns fast die Penen ab, so bitterkalt war es. Wir fuhren dann aber frohen Mutes ins Lager der Langzünder und begrüßten die anderen Teamfressen. Die Männer hatten sich kaum verändert - Stefan, Markus, Horst, Randolph (was für ein alberner Name), Hubi, Axel und Peter sahen immer noch gleich verheerend aus wie vor einem Jahr. Ihre Frauen aber waren immer noch sehr hübsch. Wieder wunderte ich mich, wie so überaus hässliche Männer an solche Frauen geraten - es war eine unlösbare Farce.
Alle waren schon wach, nur Konrad konnte ich nicht entdecken. Ich sah, wie die Tür seines Wohnwagens sich öffnete und er ?Hallo Bundy? sagte, konnte ihn aber nicht sehen. Plötzlich sah ich seine Wuschelfrisur hinter dem Bobbycar seines Sohnes Marc hervorlugen. Seine viel hübschere Frau Daggi rollte das Bobbycar zur Seite und dann stand er da, in seiner vollen Größe von 34 cm, und lachte mich schelmisch an. Ich bückte mich, nahm ihn auf den Arm, und knutschte ihn ab.
Ich fühlte mich bei diesen Menschlingen schon wieder wie zu Hause und freute mich naturbelassen auf die kommenden Tage.
Nach und nach begaben wir uns zur Kocinski-Box (#19) und standen quatschend um die schwarz-orangene Superduke herum, die wir 24h lang, in guten wie in schlechten Stunden, lieben und ehren sollten.
Dort lernte ich dann auch noch den 2. Teamchef, Hans-Hermann Ruser, ebenfalls KTM-Händler aus einem Weiler nördlich von Hamburg, und seinen Mechanix Henrik, kennen. Auch diese beiden schienen wie alle anderen immens gaskrank zu sein. Sehr vernünftig.
Um 10 Uhr sollte das freie Training beginnen, aber da die Strecke von einem Regenschauer noch nass war und eh noch versch. Kleinarbeiten an der Duke zu erledigen waren, ließen wir uns Zeit. Um halb eins war es immer noch teilweise nass, aber ich wollte noch den geänderten Schalthebel und den etwas schmaleren Lenker ausprobieren, also zog ich die Lederkombination über und fuhr raus. Am Ende der Boxengasse tratschte ich noch ein wenig mit Peter und Günni und enterte die Strecke dann traditionsgemäß mit zum Gruße erhobenem Vorderrad. Die Duke fuhr sich wie immer traumhaft. Die Bridgestone-Slicks (YDC vorne, YCX hinten) gripten ohne Ende und erfreuten mich mit genialstem Einlenkverhalten. Manche Stellen waren noch feucht, und ich konnte die Karnickellinie nicht fahren, weil die Curbs rutschig waren, aber als ich in die Boxengasse fuhr, sah ich auf dem Lappenzeiter eine 1:40,6 stehen.
Als Konrad diese Zeit sah, erblasste er kurz und fragte mich, ob ich nicht bemerkt hätte, dass es noch nass sei. Ich konnte ihn beruhigen, indem ich ihm versicherte, dass ich an dem Tag max. 77% geben und nicht stürzen würde.
Axel und Konrad drehten dann bei abtrocknender Strecke auch noch ihre Runden und fuhren Zeiten im 41er-Bereich. Yep, damit waren wir inoffiziell schon mal alle qualifiziert! Die Stimmung im Team wurde immer besser und gegen Abend fuhr ich dann mit völlig abgelutschten Reifen noch eine tiefe 38er-Runde. Im Zeittraining am Donnerstag morgen könnte ich eine 1:35 fahren, dessen war ich mir sicher, aber der Teamchef und die Mechanix erinnerten mich wiederholt daran, dass es in der Langstrecke nicht auf einen guten Startplatz ankommt, sondern darauf, sitzen zu bleiben.
Zum großen Verdruss der Teamchefs und der Mechanix schaffte ich es auch nicht, den Kupplungsdeckel nicht mehr aufsetzen zu lassen. Ich hatte zwar in Rechtskurven Schräglagenverbot bekommen, konnte dieses aber aufgrund der physikalischen Grundgesetze nicht immer einhalten. Ich musste also versuchen, durch Gewichtsverlagerung und/oder weniger Kurvenspeed die Kratzneigung des Kupplungsdeckels zu lindern.
Im Geiste reduzierte ich meine angepeilte Rundenzeit auf 1:36 - diese Rechtskurvenrumschwuchtelei würde mich mind. 1 sek. kosten.
Axels schmeichelhafte Freundin Sabrina massierte uns Fahrern nach dem letzten Turn dann noch die adonalen bzw. abominablen Körper - ein Leben wie Uffzynd in Frankreich!!!
Nach der Massage kam unser Chefkoch Christian mit seinem Catering-Truck an und kochte uns ein exorbitant leckeres Abendessen. Kartoffel kam vorbei und erfreute uns mit seiner Anwesenheit. Er ist der weltbeste Tanker des Bolliger-Teams und außerdem der weltbeste Geschichtenerzähler.
Nach dem Essen saßen wir noch lange im Zelt zusammen, lauschten den unglaublichen Geschichten von Kartoffel, Konrad und den anderen Urgesteinen der Szene, und ich war einfach nur glücklich, zu diesem Team gehören zu dürfen, einem Haufen netter Menschen, die verstanden hatten, worum es im Leben geht - nicht um Geld oder Macht, sondern um Menschlichkeit, Freundschaft und vor allem um eins: AUFZÜNDEN!!!!!!!
Part II: Donnerstag - 1. Zeittraining:
Der Wecker klingelte mich um 7 aus meinen süßen Träumen, in denen ich der König von Korea war und von 34 nackten Konkubinen mit Flutschfinger-Eis, Kinderschokolade und Korea verwöhnt wurde.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Casa Christiano begab ich mich erstmal ins Duke Battle-Fahrerlager, um meine Brüder zu begrüßen.
Mittlerweile war auch mein Freund Micha Bongen mit seiner augenschmeichelnden Partnerin Ulli eingetroffen. Er hatte meiner alten KTM einen neuen Motor transplantiert und ich hatte ihm als kleines Dankeschön einen Gaststart in der Battle kredenzt.
Doch zuvor würde Ralph die kleine Schwarze bei den Battle-Läufen auf der Rennstrecke fahren. Wir erledigten noch flugs die Anmeldeformalitäten für Ralph, bevor ich dann um 10 zum ersten freien Endurance-Training raus musste.
Der Schalthebel war für Axel und mich immer noch zu tief, und die Gabel zickte nach der Revision bei Öhlins ein bisschen rum. Beim Anbremsen und in der Triple wackelte die Duke vorne wie ein Kuhschwanz.
Nachdem wir im 2. freien Training auch noch mit der Gabel haderten, wurde flugs der Cheftechniker von Öhlins gebeten, sich die Gabel doch mal anzuschauen.
Der Mann stellte sich als sehr sympathisch und kompetent heraus, und binnen 2 Minuten sagte er uns, was wir verändern mussten.
Wir fuhren alle nochmal kurz raus und stellten fest, dass der Mann wahr gesprochen hatte. Die Duke lag nun deutlich stabiler und es machte wieder Spaß, sie zu reiten.
Wir waren bereit für das 1. Qualifying, das um 15.30 Uhr beginnen sollte - zuerst alle Fahrer 1, dann Fahrer 2, und dann (wie könnte es auch anders sein) Fahrer 3.
Mr. Schittko himself fuhr eine 1:40.456 und landete damit auf Platz 40 seiner Gruppe - Rider 1 qualified!
Als Rider 2 war ich dann an der Reihe. Jetzt galt es also erstmals, eine einigermaßen heiße Zeit hinzubrennen. Da ich in den Rechtskurven wegen des immer noch andauernden Schräglagenverbots Zeit liegen lassen würde, musste ich mich aufs Bremsen konzentrieren, und Linien fahren, die nur kurze Schrägphasen verlangten. Das klappte auch ganz gut, und außer auf den Geraden wurde ich nie überholt.
Es war ein Traum - Keiichi Kitagawa flog vor der Triple an mir vorbei, ich flog mit Freudentränen in den Augen hinterher. Womit hatte ich diese Ehre verdient? Ich bewunderte seinen phantastischen Fahrstil, den Ellenbogen knapp über dem Asphalt, nahm er die Triple ganz rechts, während ich die enge Kaninchenlinie fuhr und wie immer über meine geliebten Ra-sengittersteine hoppelte. In der folgenden Rechts war ich immer noch direkt hinter ihm. Er fuhr wieder eine endlos weite Linie, um nach 2/3 der Kurve mit fast den Asphalt streichelndem Ellenbogen wieder voll zu beschleunigen. Eine Augenweide! Er nahm die Rechts der Schikane wie fast alle anderen ?normal?, um erst in der Links über die Curbs zu fahren. Ich nahm wie immer beide Curbs voll mit, was meiner Meinung nach an dieser Stelle die bessere Wahl ist, und tatsächlich war ich eingangs Gegengerade immer noch hinter diesem japanischen Zündgott. Mein Grinsen war mindestens so breit wie Hajo Samstag Nacht sein würde!
Beim Beschleunigen auf die Gegengerade wähnte ich mich kurz in einem Glas voller Kaulquappen. Das Raum-Zeit-Kondom musste einen Riss bekommen haben. Ich sah die weiß/blaue Suzuki gerade noch klar und deutlich vor mir - zwei Augenblicke später bremste der Japaner vollkommen quer in die Shell-Esses rein, während ich gerade über die Curbs am Ende der schnellen Rechts räuberte. Eine Farce.
6 Minuten vor Ende des Trainings stand eine 1:38.05 auf meinem Lappenzeiter. Ich fuhr raus an die Box, blieb auf der treuen Duke sitzen und bat Hubi, er möchte mir doch meine Wasserflasche bringen, die ich schlauerweise mit Magnesium versetzt hatte.
Ich trank ein wenig und machte mich dann noch einmal auf, wenigstens noch die 38 zu knacken. Peter und Günni an Pit Lane`s End lachten, als ich vorbeikam. Sie hatten wohl meinen Auftrag erkannt.
Mir blieben noch 2 komplette Runden, und obwohl ich mich immer noch streng an das Schräglagenverbot hielt, gelang mir in der letzten Runde noch eine 1:37.339. Damit stand ich auf Platz 26 meiner Gruppe. Ich war natürlich zufrieden, aber ich wusste leider, dass ohne den aufsetzenden Kupplungsdeckel und mit 95 statt 80% Einsatz locker eine 35er-Zeit drin gewesen wäre, was uns in den Top 10-Bereich katapultiert hätte.
Naja, mein Gehirn wurde durch die unzähligen Schläge auf Schulter und Helm, nachdem ich wieder in der Box war, ein wenig durchgerüttelt. Ich vergaß was hätte sein können und fand mich mit den Begebenheiten ab.
Axel fuhr in seiner Gruppe mit einer 1:40.049 auf den 37. Platz.
Somit waren alle sicher qualifiziert, und wir hatten die erste große Hürde genommen! Nachdem wir letztes Jahr mit der Adventure wegen unzähliger Angriffe des Antizünd gar nicht dazu gekommen waren, das Zeittraining zu fahren, war das schon ein ziemlicher Erfolg.
Wäre dies nicht erst der Anfang des Abenteuers gewesen, dann hätten wir an jenem Abend sicher gleich ein ziemliches Fass aufgemacht, hehe.
Ralph fuhr im Duke Battle-Qualifying mit meiner Rennhure auf Platz 13. Ich war mir aber sicher, dass er in den Rennen unter die ersten 10 fahren könnte.
Nach dem Training meldete ich mich noch zum Supermono-EM-Lauf an, den ich ebenfalls mit der Rennhure bestreiten wollte. Micha B. hatte extra einen 2. Radsatz mitgebracht, auf den ich die sagenumwobenen Dunloppen (beide in 758er Mischung) aus der 250er-WM aufzog, die ich von einem geheimen Gönner erhalten hatte.
Damit könnte ich mit Sicherheit 1:40er Zeiten fahren, und wenn es im Rennen gut lief, müsste es für einen Platz unter den ersten 15 reichen.
Das freie Training der Supermonos ließ ich aber aus, weil ich zu faul war zum Reifen wechseln und weil ich in meinem Unter-Ich immer noch die anklagende Stimme von Kalle Hühnermann hörte: ?Bundyyyyyy, du wirst Höllenqualen leiden wenn du jetzt auch noch bei den Supermonos mitfääääääährst!!! Deine Arme werden sich in der Nacht in brennende Furunkel verwandeln und du wirst kläglich aufgeben müsseeeeeeeen!!! Alle werden dich auslachen und Kartoffel wird dich auf ewig als eine Langstreckenschwuchtel verspotteeeeeeen!!!?
Am Abend war noch Nachttraining angesagt, aber da es nieselte und ziemlich rutschig war, fuhr ich nur für ein paar Runden raus, damit wir die erforderlichen 5 Runden hatten.
Es war wirklich absoluter Hardcore, nachts auf einer Rennstrecke rumzubrennen, auch wenn dieses Jahr einige Streckenabschnitte ausgeleuchtet waren, so war z.B. der Anflug auf die Triple fast völlig blind, und auch sonst musste viel nach Gefühl gefahren werden, aber ich freute mich schon auf die Nachtzünderei wie eine 34-jährige, erzkath ähm ich freute mich schon auf die Nachtzünderei wie Ulrike Jokiel auf ihre nächtliche Joghurette!
Eigentlich hätte ich danach wohl zu Bett gehen sollen, aber Randolph und Hubi wollten noch ein bisschen koreanisieren, und so ließ ich mich auch noch zu 2 Tassen hinreissen.
Später kam noch Kartoffel dazu, und erzählte mir mit ernster Miene folgende Geschichte:
?Alter, du glaubst immer noch, Schittko`s Konrad wär früher bei der Telekom gewesen. Aber der Sack war da nich, der war mit mir und Randolph im Knast! Alter, schwerer bewaffneter Raubüberfall! Alter, wir haben`n Geldtransporter überfalln, da haben die uns gekascht weil der Konni zu blöd war, den Fluchtwagen zu fahren. 8 Jahre hab ich gesessen, Konrad 7, weil er wegen guter Führung raus gekommen ist. Alter, bei mir war nix mit guter Führung, ich hab da drinnen alles kaputt geschlagen! Randolph auch! Als ich aus dem Knast raus war hab ich auf dem Schlachthof malocht. Den Konrad hab ich auch da reinbekommen, der hat dann die Schweinehälften sortiert, weil er zu klein war zum Zerhacken von den Viechern. Neulich hab ich den Toni getroffen, kennste den noch Randolph? Das war der, der seine Schwiegermutter abgestochen hat - saß damals mit uns ein (zu mir). Der Sack hat geheiratet, Alter, eine hässliche Fratze!?
?Jau?, erwiderte Randolph und nippte an seinem Korea, ? ich war bei der Hochzeit! Die Fratze heißt Olivia, wie die Olivia Öl von Popeye, und genauso sieht sie auch aus.?
Ich war drauf und dran die Geschichte zu glauben, aber irgendwann hat Randolph dann einen Mund voll Korea ausgespuckt, weil er sich nicht mehr halten konnte vor Lachen, der Sack.
Irgendwann legte ich mich dann aber auch in die Heia, und nachdem ich mir das dümmliche Grinsen aus meinem hübschen Gesicht gedrückt hatte, schlief ich selig ein und träumte von tanzenden Kaninchen und Olivia Öl.
Fortsetzung folgt!
Gruss
Norbert
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